Der Taufstein von 1637 in Sebnitz

In den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges, vor allem aber im Jahre 1637, wurden auch die heutigen Gebiete von Neustadt und Sebnitz von Söldnerhorden schwer heimgesucht. Am 04. November 1633, dem „großen Angsttag der Sebnitzer", wurde, nachdem Sebnitz lange Jahre des Krieges von direkten Angriffen verschont geblieben war, bei einem Überfall von mehr als 2000 Söldnern unter dem kaiserlichen Oberst Terzky auf die Stadt auch die Sebnitzer Kirche ausgeraubt. Eine Beschreibung des Überfalls auf Sebnitz findet Ihr unter anderem auch in dem Buch "Was die Heimat erzählt" (*1). Mordend, vergewaltigend, brennend und raubend zogen Söldner auch 1637, vor allem die Truppen des kaiserlichen Feldmarschalleutnants Graf Melchior von Hatzfeld, durch unsere Gegend. Am 08. April 1637 wurde auch Sebnitz selbst wieder überfallen. Die Söldner plünderten die ganze Stadt und vernichteten alles, was sie nicht mitnehmen konnten. Die Kirche wurde erneut erbrochen, das Ornat und die Kelche wurden als Kriegsbeute mitgenommen. "Und auf diese Weise haußten sie in hiesiger Gegend vom grünen Donnerstage an bis 4 Wochen nach Ostern unaufhörlich herum. Viele Meilen weit war weder Zug-noch Zuchtvieh anzutreffen. Man konnte keinen Gottesdienst halten, sondern mußte, um 1637 nur das Leben zu retten, in Wald und Felsen seine Sicherheit suchen, und sich da lange Zeit von Kräutern und Wurzeln nähren. Von diesen betrübten Tagen schreibt sich der sogenannte Taufstein her ... Ein großer Stein, in welchem eine Hölung zum Einsaz des Taufbeckens gehauen ist und auf dem man damals die Kinder im Walde taufte. Wie traurig! ..." (*2).

Der Sebnitzer Wald war eine Zuflucht für die Sebnitzer Bevölkerung in diesen unheil-und leidvollen Jahre. Der Taufstein im Sebnitzer Wald erinnert uns heute an diese auch für Sebnitz schweren Kriegszeiten,in denen viele Bewohner hier in ihrer Not und Angst vor den wilden Kriegshorden in die umliegenden Wäldern und Berge flüchten mussten, hungerten, froren und starben - aber auch Kinder tauften.

Der Taufstein, der dem Ort im Sebnitzer Wald seinen Namen gab, ist ein eher unscheinbarer großer Stein, den man gern übersieht. Aber er liegt nur ein paar Meter vor der Bank und dem Hinweisschild mit der Aufschrift: Taufstein von 1637 - Erinnerung an schwere Kriegsnot der Heimat". Auf einer Wanderung durch den Sebnitzer Wald gelangt Ihr vom Parkplatz am Naherholungsgebiet Forellenschänke über den Weg "Langer Flügel" (Markierung: grüner Punkt) und den Wickelkind-Weg direkt zum Taufstein.

Der Taufstein im Sebnitzer Wald

GPS-Koordinaten Taufstein: 50.974222, 14.307167  (N50° 58.45333 E14° 18.43)
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Wer mehr über die Historie der Stadt Sebnitz erfahren möchte, dem empfehle ich einen Besuch im Sebnitzer Heimatmuseum sowie, speziell zur Geschichte von Sebnitz und seiner Umgebung im Dreißigjährigen Krieg, als Lektüre das Buch Geschichte und Beschreibung des Churfürstlichen Amts Hohnstein mit Lohmen, insbesondere der unter dieses Amt gehörigen Stadt Sebniz von Wilhelm Lebrecht Götzinger.

Wanderung zum Taufstein von 1637

Bei einer Wanderung durch den Sebnitzer Wald könnt Ihr nicht nur den Taufstein von 1637 finden. Auch der Hirschstein, der Wolfstein, die Hubertuskapelle und der Wiesenwegteich warten auf einen Besuch und versprechen dem Wanderer viel Ruhe und Entspannung. Diese Wanderung ist vor allem auch für Familien mit Kindern geeinet und läßt sich prima mit einem Besuch im Urzeitpark Sebnitz verbinden.

Bilder vom Taufstein Sebnitz

Diese Bilder aus dem Beitrag sowie weitere Fotos vom Taufstein in Sebnitz findet Ihr auch in der Bildergalerie Taufstein Sebnitz.

Geocache "Kriegstaufe" am Taufstein in Sebnitz

Am Taufstein, interessant für die Geocacher unter Euch, ist der Geocache "Kriegstaufe" zu finden. Der Taufstein gehört ebenso zur Sebnitzer Historie des Mittelalters wie auch der Peststein mit dem Cache "Die Pest am Hals" in der Nähe des Sebnitzer Sparkassen-Waldstadion.

Anreise zum Taufstein Sebnitz

Anreise mit dem Pkw

- Autobahn A 4 (Abfahrt Burkau) - Bischofswerda - Neustadt - Sebnitz
- Autobahn A 17 (Abfahrt Pirna) - Pirna - Lohmen - Hohnstein - Sebnitz
- von Dresden aus über Stolpen - Neustadt - Sebnitz

In Sebnitz ist der Grenzübergang nach Tschechien ausgeschildert (Dolni Poustevna), in dessen Richtung Ihr fahren müßt. Direkt vor dem Grenzübergang biegt rechts eine Straße (Forstweg) ab, die zum Parkplatz am Naherholungsgebiet "Forellenschänke" führt.

Parken

Parkplätze für die Wanderungen in den Sebnitzer Wald findet Ihr am Naherholungsgebiet "Forellenschänke". Hier gibt es einen (vorderen) kostenpflichtigen Parkplatz (Parkscheinautomat) und einen dahinter liegenden kostenfreien Zeitparkplatz (Parkdauer mit Parkscheibe 2 Stunden). Die Zufahrt zu den Parkplätzen erfolgt über Forstweg / Mannsgrabenweg, am Urzeitpark vorbei, zum Naherholungsgebiet "Forellenschänke". Vom Parkplatz aus führen ausgeschilderte Wanderwege zum Tanzplan, durch den Sebnitzer Wald und zum Urzeitpark Sebnitz.

GPS-Koordinaten: 50.973603, 14.293233  (N50° 58.41618 E14° 17.59398)
Kartenansicht

 

Anreise mit der Bahn

Von Dresden aus mit der Bahn (S 1) nach Bad Schandau fahren, hier in die Sächsisch-Böhmische Semmeringbahn (Sebnitztalbahn) umsteigen und bis Bahnhof Sebnitz fahren oder schon in Pirna aussteigen und von da aus mit der Bahn (SB 71) nach Sebnitz fahren.

Bahnlinie SB 71:  Pirna - Lohmen - Dürrohrsdorf - Helmsdorf - Stolpen - Langenwolmsdorf - Neustadt - Krumhermsdorf - Sebnitz - Amtshainersdorf - Ulbersdorf - Mittelndorf - Großdorf-Kohlmühle - Porschendorf - Rathmannsdorf - Bad Schandau (und zurück).

Bahnhof Sebnitz
Bahnhofstraße 17
01855 Sebnitz

GPS-Koordinaten: 50.976055, 14.27215  (N50° 58.5633 E14° 16.329)
Kartenansicht

Anreise mit dem Bus

Die Stadt Sebnitz besitzt gute Busanbindungen nach Dresden und Pirna sowie nach Bautzen und den Sebnitzer OT Hinterhermsdorf (jeweils hin und zurück):

  • Linie 261:  Dresden - Stolpen - Neustadt - Sebnitz (und zurück)
  • Linie 236:  Pirna – Dürrröhrsdorf-Dittersbach – Stürza – Hohnstein – Sebnitz
  • Linie 237:  Pirna – Bastei – Rathewalde – Hohnstein – Sebnitz
  • Linie 267:  Sebnitz – Krumhermsdorf – Neustadt – Steinigtwolmsdorf / Neustadt – Steinigtwolmsdorf – Neukirch – Bautzen
  • Linie 268:  Sebnitz – Saupsdorf / Ottendorf – Hinterhermsdorf und zurück
  • Linie 269:  Sebnitz – Saupsdorf / Ottendorf – Hinterhermsdorf und zurück


Busbahnhof Sebnitz
Schillerstraße

GPS-Koordinaten: 50.966975, 14.270402  (N50° 58.0185 E14° 16.22412)
Kartenansicht


Stadtbus Sebnitz

Vom Sebnitzer Busbahnhof aus fahren zwei Stadtbus-Linien, die Linie "R" und die Linie "T". Wer sich den Weg vom Busbahnhof Sebnitz zum Urzeitpark etwas verkürzen möchte, der kann zum Beispiel mit der Linie "T" bis zur Haltestelle "Dr.-Petzold-Bad" fahren und dann die Böhmische Straße in Richtung Grenze laufen. Auf dem Forstweg / Mannsgrabenweg, vorbei am Urzeitpark, gelangt Ihr zum Parkplatz am Naherholungsgebiet Forellenschänke, dem Ausgangspunkt der Wanderung.

Fahrplan Stadt-Linie T

 

Quellennachweis:

(*1) Was die Heimat erzählt - Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen von Friedrich Bernhard Störzner, Seite 434.

(*2) Geschichte und Beschreibung des Churfürstlichen Amts Hohnstein mit Lohmen, insbesondere der unter dieses Amt gehörigen Stadt Sebniz von Wilhelm Lebrecht Götzinger, Vierzehnter Absatz: Kriegsunruhen, Seite 282 und 283)

   
   

   
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